Digital Kontrovers! #4 vom 21. August 2018

Für mehr Transparenz und Effizienzgewinne

Die Blockchain in aller Munde: Die GIZ identifizierte über 150 Ansatzmöglichkeiten, wie Blockchain in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) eingesetzt werden kann, um sie transparenter, sicherer und vertrauenswürdiger, dezentraler und damit effizienter zu machen.

Bei der sehr gut besuchten vierten Auflage des BMZ-Streitgesprächs Digital Kontrovers! erfuhren die Gäste im Laufe einer argumentationsstarken Diskussion von den Vor- und Nachteilen der Blockchain.  Beispiele aus Somalia, Kenia oder China zeigten zudem unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten. Dazu gehören unter anderem der Nutzen als Währungen wie Bitcoin, Liefer- und Bezahlketten sowie bei Onlinewahlen.

Pro-Sprecher Sam Liban, Operations Manager des Blockchain-Projekts The Sun Protocol, verglich die Blockchain mit den ersten Autos, die zunächst nur als „Pferdekutsche ohne Pferd“ verstanden wurden. Sie steckten eben noch in der Entwicklungsphase. Er plädierte daher eindringlich dafür, sich bei der Blockchain-Technologie nicht auf das Scheitern zu fokussieren, sondern auf die zahlreichen Möglichkeiten für direkte, wirtschaftliche Transaktionen zwischen Menschen ohne Einflussnahme Dritter. Blockchain könne besonders für solche Länder ein Segen sein, in denen Strukturen wie Bankwesen, Raumplanung oder Einwohnermeldesysteme nicht existierten. Blockchain sei ein zukunftsfähiger Großbaustein digitaler Ökonomie.

Contra-Sprecher Professor Rüdiger Weiss, Diplom-Mathematiker, Informatiker und Kryptograph an der Beuth-Hochschule für Technik Berlin, stimmte dem zu. Konterte aber, dass man sich mit einem Hammer, der ideal zum Nägel einschlagen sei, auch schnell auf die Finger hauen könne. Er teile die Euphorie gegenüber der Blockchain-Technologie nicht. Am Beispiel der Bitcoin-Währung erläuterte er, wie aus seiner Sicht die Schaffung einer dezentralen und demokratischen  Währung gescheitert sei. Auch die angekündigte Lösung vieler Weltprobleme durch Blockchain-Anwendung sei bisher nicht eingetreten. Ganz im Gegenteil. Allein die Bitcoin-Transaktionsprozesse verbrauchten pro Jahr so viel Energie wie der Staat Dänemark. Zugleich räumte er aber auch ein, dass Blockchain eine Alternative zu fehlenden Strukturen in Entwicklungsländern bieten könne, beispielsweise  im Bankwesen oder bei Onlinewahlen. Daraus ergeben sich aber auch neue Herausforderungen, beispielsweise beim Datenschutz. Der Vorteil der Transparenz einer Blockchain könne sich in manchen Ländern zum Nachteil und sogar zu einem Online-Pranger werden. Allerdings gäbe es viele Daten, die öffentlich sein sollten, wie die Verwendung öffentlicher Gelder in der Entwicklungszusammenarbeit. Hier kann Blockchain sowohl Transparenz als auch Vertrauen sichern.

Im Anschluss erläuterte Kathleen Ziemann, Beraterin im GIZ Sektorprogramm Digitalisierung, den Einsatz von Blockchain und die Arbeitsausrichtung der GIZ. Dazu gehört unter anderem  das Ermöglichen von mehr Transparenz und Vertrauensbildung, das Monitoring der EZ-Mittel und zur Schaffung von nachvollziehbaren Lieferketten Man stehe dabei erst am Anfang, habe aber klare Ziele, so ihre Einschätzung.

Digital Kontrovers #4 Blockchain Hype // Dezentrale Disruption

Hier das Video zu unserer spannenden Diskussionsrunde über das Thema Blockchain und Entwicklungszusammenarbeit. Viel Spaß beim Angucken!

Gepostet von Digital Kontrovers am Dienstag, 28. August 2018

Fotos: Reinaldo Coddou H.