“Open Source means giving the power to the people”

„Digital Kontrovers!“-Auftakt: Gut besucht, lebhafte Diskussion, viel Erkenntnisgewinn

Gut besucht, lebhafte Diskussion, viel Erkenntnisgewinn. So ging der Auftakt der neuen monatlichen Forumreihe des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)„Digital Kontrovers!“ am 28. März in der GIZ-Repräsentanz über die Bühne.

Mit dem neuen Format widmet sich das BMZ kontroversen Standpunkten beim Thema Digitalisierung. Zum Auftakt des neuen monatlichen Formats unter dem Titel “Digital Kontrovers!” ging es um „Open Source“ oder „Closed Source“. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, was Entwicklungsländer eher brauchen: Erprobte Digital-Lösungen von IT-Firmen wie SAP oder die Freiheit, ihre Software lokal entwickeln bzw. weiterentwickeln zu können?

Eingeladen waren, getreu dem Konzept des neuen BMZ-Formats, zwei Gesprächspartner mit kontroversen Meinungen zum Thema: Andreas Gebhard, Gründer der re:publica und Aktivist in der weiteren Verbreitung von Open Source Technologien, und Carsten Rickert, Direktor Presales Public Services & Healthcare von SAP Walldorf. SAP ist der umsatzstärkste europäische Software-Hersteller. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Katrin Bornemann, Referat 303. Live zugeschaltet zur Diskussion: IT-Experte Fred Yeboah vom Kofi Annan Centre of Excellence in ICT aus Ghana.

Im Publikum viele an Techthemen interessierten Bürger, Wissenschaftler und Aktivisten.

Fred Yeboa brachte in der Diskussion die Haltung vieler Entwicklungsländer auf den Punkt „Open Source means giving the power to the people”. Das war auch die Meinung von Open Source-Aktivist Andreas Gebhard. Er forderte in seinen Statements ein neues Denken in der digitalen Welt. Je größer das Monopol von Software-Giganten würde, umso weniger digitale Gesellschaft gäbe es auch vor Ort. So verkümmert das Innovationspotenzial in Entwicklungsländern.

SAP-Vertreter Carsten Rickert machte in der Diskussion seinerseits klar, dass SAP heute zwar auch Open Source-Lösungen integriere, jedoch auf den sogenannten Commercial off-the-shelf Ansatz setze. Dabei würden einzelne IT-Pakete verkauft und nach dem Baukastenprinzip auf die Bedürfnisse der Kunden angepasst. Auf diese Lösungen könne man heute weltweit nicht verzichten.

In der Diskussion wurde schnell klar, dass unsere Märkte zunehmend auf die Angebote der Software-Monopolisten wie Microsoft oder SAP ausgerichtet sei. Häufig entstünde durch die Inkompatibilität von Closed Source-Lösungen eine einseitige Abhängigkeit des Kunden. Diese drücke sich auch in den Vergabe- und Ausschreibungsaktivitäten der öffentlichen Hand aus, welche Monopolisten deswegen oft begünstigte.

Andreas Gebhard wies zudem darauf hin, dass es wenig überzeugend sei, wenn die deutsche EZ, Entwicklungsländern zu Open Source Lösungen rate, während man in Deutschland selbst mit Monopol-Lizenz-Lösungen arbeite.

Der ghanesische Experte Fred Yeboah machte klar, dass die Favorisierung von Open Source-Lösungen in Entwicklungsländern oft einen einzigen schlichten Grund hätte: Man könne sich kommerzielle Software-Lösungen gar nicht leisten. Sie wären zu teuer. Dabei hätten die Open Source-Lösungen jedoch einen entscheidenden Nebeneffekt: Die Menschen lernen vor Ort zu Programmieren. Dadurch entstünden neue zukunftsweisende Wirtschaftszweige.

Die gut besuchte Auftaktveranstaltung der neuen Reihe “Digital Kontrovers!” endete mit einem Appell eines engagierten Bürgers: “Investieren Sie nicht nur in Lizenzen , sondern auch in Innovation vor Ort!”

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